Willkommen bei Frerich

 

Ein ganz normaler Tag – und doch so anders!

 

 

 

Möglicherweise muss man ja erst alt werden, um einen ganz besonderen Tag zu erleben.

 

Nun gut – in den über sechzig Jahren meines Lebens gab es ja schon viele bedeutende Ereignisse. Gute und schlechte, private und weltpolitische. Und doch war das heute anders. Pünktlich um zehn Uhr war er da – unser Besuch aus der Schweiz. Ein junges Ehepaar mit ihrer kleinen Tochter- nennen wir sie mal Mia. Das ist nicht ihr richtiger Name, aber der ist hier auch nicht wichtig.

 

Das soll spektakulär sein? Ist es nicht, auch nicht die gemeinsame Zeit danach. Ein erstes Kennenlernen beim ausgiebigen Frühstück , dann Fußball und Boule spielen mit Mia bis diese davon erfuhr, dass es im Evenburg-Park einen Spielplatz gibt. Da gab es für sie kein Halten mehr, sie wollte auf die Schaukel. Also, alle ins Auto und ab nach Loga. Mia hatte ihr Vergnügen auf dem Klettergerüst und bekam ihr versprochenes Eis (natürlich nannte sie es Glacé) und wir Erwachsenen lernten uns etwas besser kennen. Alles war sehr harmonisch und schön, zumal noch bei bestem Wetter.

 

Das Besondere ist die Geschichte dahinter. Eigentlich kannten wir, oder zumindest Ingrid, Mia ja schon etwas länger. Schon einmal hatte sie mit ihren Eltern in Ostfriesland Urlaub gemacht, vor zwei Jahren, damals war Mia zweieinhalb Jahre alt. Die damalige Vermieterin der Ferienwohnung, eine Autorenkollegin, schrieb Ingrid etwas später, dass Mia schwer krank sei. Eins von Ingrids Kinderbüchern, „Fünf-Finger-Fú und das Geheimnis seiner Hände“ habe sie ihr zukommen lassen. Ingrid fackelte nicht lange und schon am nächsten Tag war ein Kuschel-Fú, handgearbeitet von unserer Freundin Maria, gut verstaut in einem DHL- Karton auf dem Weg in die Schweizer Berge.

 

Wir erfuhren, dass Mia nicht jedes Kuscheltier akzeptiert, aber das Fú schloss sie gleich in ihr Herz. Fortan waren die Beiden unzertrennlich. Ob zu Hause im Kinderbett, bei den Untersuchungen oder den vielen langen Aufenthalten im Spital – die Bilder zeigten Mia immer mit dem kleinen lilafarbenen Kuscheltier im Arm. „Das Fú ist der beste Freund, den man sich vorstellen kann“, schrieb Mias Mama einmal.

 

In der folgenden Zeit erfuhren wir mehr über die Kinder, die lebensbedrohlich erkrankt sind und über ihre Familien.

 

Auch in der Schweiz gibt es, ähnlich wie bei uns in Deutschland, Organisationen, die den Familien zur Seite stehen, bei denen nichts mehr normal ist. „Sturmfamilien“ nennen sie sich. Wenn man mehr über sie erfährt, ist dieser Ausdruck noch harmlos. Alles steht Kopf, Tagesabläufe sind nicht mehr planbar, ein Leben am Limit der Kräfte. Eine solche Organisation nennt sich „Sternentaler“, gegründet von einer Großmutter, deren Enkel den Kampf verloren hat und nun ein „Sternenkind“ ist. Für die Sternenkind- Mamas und Papas, die Sternenkind- Geschwister und Sternenkind- Großeltern sind ihre Liebsten nicht tot. Sie leben in ihren Gedanken und in ihren Herzen. Diese Erfahrung, dass nichts selbstverständlich und unversehrtes Leben ein Geschenk ist, befähigt sie, anderen in den Sturmzeiten Halt zu geben.

 

Mia und ihre Familie sind eineinhalb Jahre durch einen solchen Sturm gegangen. Vor ca. einem halben Jahr kam die beruhigende Nachricht: „Geschafft – die Therapie war erfolgreich“.

 

Eins der ersten Pläne war dann ein Urlaub an der Nordsee. Seit ein paar Tagen ist es nun endlich so weit. Immer wieder wird die kleine Familie überrascht – Freikarten fürs Erlebnisbad, Einladungen zu Ausflügen, Geschenke für Mia und vieles mehr. Da hat doch wohl jemand getrommelt – vielleicht die Vermieterin?

 

Wie auch immer, Mia und ihre Eltern haben es verdient, es soll ein unvergesslicher Urlaub werden.

 

Übrigens: Als heute Mia mit dem Fú im Arm vor uns stand, war etwas anders als auf den bisherigen Fotos – sie hat jetzt wieder wunderschönes dichtes Haar!